Magdalenas und Jürgens Imkerei

Fazit 2021

Jürgen Fickel;  veröffentlicht am 26.01.2022;  Lesedauer: ca. 5 Minuten

Das Jahr 2021 liegt hinter uns und die nächste Bienensaison steht in den Startlöchern. Zeit also, um auf die vergangene Saison zurückzublicken und auf die anstehende einen Ausblick zu geben. Soviel vorweg: 2021 war schwierig.

Zusammenfassung

Bezogen auf die Bienenhaltung war 2021 bisher unser anspruchsvollstes und bezogen auf die Honigernte schlechtestes Jahr. Wie die Onlineerhebung des Fachzentrums Bienen und Imkerei in Mayen zeigt, teilen wir dieses Schicksal mit den meisten Imkereibetrieben in Deutschlands Südwesten.

Das Jahr begann zunächst vielversprechend, so daß wir am 20. Februar die Völker erstmals öffnen konnten. Allerdings folgte dann kühles Wetter im März, das den Aufschwung in den Völkern deutlich bremste. Die Königinnen drosselten die Eiablage und in den freigewordenen Wabenzellen lagerten die Bienen Pollen ein. So war der Platz für neue Brut im Brutnest eingeschränkt, was das Wachstum später wahrscheinlich bremste. Vermutlich hätten wir gerade während der kühlen Tage im März Reizfütterungen durchführen sollen, um das Brutgeschäft am Laufen zu halten und vor allem, um die Polleneinlagerung zu verhindern. Denn mehr als eine halbe Wabe (Zadant) Pollen im Brutraum ist erstens unnötig und zweitens schlecht für den Wärmehaushalt (siehe „Viel Pollen, viel Schwarmtrieb?!“ von Adelheid Maria Klein, bienen & natur 3/2021).

Auch im April blieb das Wetter schlecht, d. h. regnerisch und kühl. Und windig. Zwar trugen die Pflanzen der Jahreszeit Blüten, die produzierte Nektarmenge dürfte aber übersichtlich geblieben sein. Ohnehin konnten die Sammlerinnen kaum ausfliegen, um Nektar zu sammeln. So konnten wir nur sehr wenig Frühtrachthonig ernten. Glücklicherweise kam zumindest so viel Honig zusammen, daß sich die Bienen selbst versorgen konnten und wir nicht zufüttern mußten. Gerüchten zufolge sind in der Umgebung auch Bienenvölker verhungert – und das in einer Zeit, in der normalerweise für Bienen der größte Überfluß des Jahres an Nektar und Pollen herrscht!

Zur unbefriedigenden Trachtsituation kam eine extreme Schwarmstimmung in praktisch allen Völkern, die sich kaum bremsen lies. Das Brechen von Schwarmzellen hat bei vielen unserer Bienen erfahrungsgemäß nur eine kurze verzögernde Wirkung. In der Regel führt diese Maßnahme dazu, daß einfach noch mehr Schwarmzellen angelegt werden. Gleichzeitig schränken die Königinnen meist die Eiablage stark ein. So oder so kommen wir dem Schwarmtrieb nur mit radikalen Maßnahmen wie z. B. Fluglingbildung oder totaler Brutentnahme bei. Das ist einerseits Arbeit, die wir gerne nicht hätten, andererseits findet das Schwarmgeschehen für gewöhnlich mitten während der Frühtracht statt, was die Honigleistung natürlich mindert. Ein Faktor für den Schwarmtrieb sind Schlechtwetterphasen während der Tracht, was praktisch für das gesamte Frühjahr 2021 zutraf. So hatten wir im vergangenen Jahr leider so viele abgegangene Schwärme wie noch nie. Im Gegenzug hatten wir keine Möglichkeit selbst einen Schwarm einzufangen.

Die Hoffnung auf eine entschädigende Sommertracht oder gar Waldtracht hat sich leider nicht erfüllt. Denn auch der Juni und Juli war zu kalt und regnerisch. Die Ernte war entsprechend enttäuschend.

Glücklicherweise funktionierte die Königinnenvermehrung zufriedenstellend. Die schlechte Witterung hätte uns auch in diesem Bereich einen Strich durch die Rechnung machen können. So blieb es bei nur einer mangelhaft begatteten Königin.

Letztes Jahr haben wir zum ersten Mal auf das Geben und Schneiden von Drohnenrahmen verzichtet. Dadurch konnten wir sehr viel Arbeitsaufwand reduzieren. Außerdem ist damit ein ethisches Problem für uns entfallen. Wir konnten nicht feststellen, daß sich die Varroasituation dadurch verschlechtert hätte. Wir bevorzugen stattdessen zur Varroabekämpfung totale Brutentnahme in Kombination mit VarroMed. Zusätzlich kam – wo notwendig – Ameisensäure zum Einsatz. Im Dezember wurden alle Völker mit Oxalsäure beträufelt.

Ausblick 2022

Lichtmeß rückt näher. Dies ist – warmes und trockenes Wetter vorausgesetzt – das Stichdatum, an dem wir die Völker zum ersten Mal nach der Winterbehandlung öffnen. Der Hauptzweck dieses Eingriffs ist, die (Thermo-)Schiede zu setzen, um den Bienen möglichst viel Energie zu sparen, wenn sie die ersten Brutsätze aufziehen. Außerdem bekommen wir so einen ersten Eindruck von den Völkern und sehen, wo ggf. Futter knapp werden könnte oder eventuell die Königin fehlt, oder oder …

Insgesamt werden wir die Betriebsweise des angepaßten Brutraumes weiterführen, um weiter Erfahrungen damit zu sammeln. Wir hoffen natürlich auf günstigere Umwelteinflüsse als 2021, um unter halbwegs vergleichbaren Bedingungen die Vor- und Nachteile zu unserer alten Betriebsweise ausmachen zu können.

Schwarmkontrolle und Schwarmverhinderung sind bis in den Juni hinein die Hauptarbeiten bei den Bienenvölkern. Hier eine Entlastung zu erreichen, ist ein großes Ziel für 2022. Ein Schritt hierzu ist es, die Genetik der Völker entsprechend zu verbessern aber auch eine andere Methode zur Schwarmverhinderung von Anfang an anzuwenden. Diese Methode haben wir letztes Jahr leider erst angewendet, als die meisten Völker ihrem Schwarmtrieb bereits gefolgt sind. Bei der genannten Methode geht es darum, Ammenbienen aus den Völkern zu entnehmen, die Schwarmtendenzen erkennen lassen. Denn ein Treiber für die Schwarmstimmung ist ein Überschuß von Ammenbienen, bezogen auf die Menge der zu pflegenden, offenen Brutzellen. Diese Situation herrscht später im Frühjahr, wenn die Völker bereits trachtreif sind und die Bruträume gut mit verdeckelter Brut und viel schlüpfenden Bienen gefüllt sind. Diese „Langeweile“ bei den Pflegebienen signalisiert dem Volk, mit der Schwarmvorbereitung zu beginnen. Die entnommenen Jungbienen eignen sich gut, um damit Pflegevölker zu bilden, in die die Zuchtleisten für die Königinnenvermehrung gehängt werden. Die Muttervölker verkraften das Fehlen der Jungbienen ohne Probleme. Außerdem wird die Honigleistung nicht eingeschränkt, da die Sammelbienen ja im Volk verbleiben und die Tracht ohnehin vorbei ist, bis die entnommenen Jungbienen zum Sammeln bereit gewesen wären. Unsere Quelle für diese Methode ist ein YouTube-Video von Imker Thomas Rabold. Überhaupt ist unsere Betriebsweise maßgeblich von ihm inspiriert.

Nun blicken wir voller Hoffnung und Vorfreude auf die bevorstehende Saison und wünschen Ihnen ein gutes und erfolgreiches Jahr 2022.